Ein Teppich für den Kater

Stricken war vor einigen Jahren noch eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Inzwischen bin ich davon irgendwie abgekommen, obwohl ich immer noch jede Menge Wollvorräte gehortet habe. Damals habe ich nicht nur die Familie von Kopf bis Fuß bestrickt, auch Dekoratives für unser Zuhause gehörte zu meinen Strickkunstwerken. Ein Flickenteppich, eine Art Läufer, war eines meiner Lieblingsprojekte. Schon eine ganze Weile hatte ich nach einer Idee gesucht, wie ich eine schadhafte Stelle auf unserem sonst noch schönen Wohnzimmerteppich verdecken konnte.

In einer meiner Handarbeitszeitschriften sprang mir schließlich eine Idee entgegen. Ein wunderschöner Flickenteppich lächelte mich daraus an. Ich war sofort verliebt in ihn. Zusammengesetzt war er aus mehreren aus verschiedenen Paketbandsorten gestrickten Quadraten.

Natürlich machte ich mich eilends auf die Suche nach entsprechendem Material für meinen Teppich. Paketband gab es eher nicht in meinem Lieblingswolleladen. Doch in Schreibwarenläden wurde ich fündig.

Das Paketband von damals, wir sprechen hier von DDR-Zeiten, diente zum Zuschnüren von Paketen. Damals wurde geschnürt und nicht geklebt. Farb- und Materialbeispiele zeigen die ersten drei Bilder in der folgenden Diaschau. Ein Beispiel aus dem jetzigen Jahrhundert ist das darunter abgebildete Knäuel, das allerdings mehr ein Band aus dem Gärtnerbedarf ist. Es kommt der damaligen Paketschnur zumindest einigermaßen nahe. Es ist allerdings wesentlich fester und sicher nicht so gut zum Stricken geeignet wie das, das ich im vorigen Jahrhundert 🤭 verwendet habe.

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Wie erstaunt war ich damals, als ich auf die Suche nach entsprechender Paketschnur ging, wie viele unterschiedliche Sorten es davon gab. Das war mir bis dahin noch gar nicht aufgefallen. Fröhlich kaufte ich mich durch dickes und dünnes, meliertes und einfarbiges Band. Am Ende hatte ich eine hübsche Kollektion zusammen. Mein Strickmarathon konnte beginnen. Abend für Abend fertigte ich etwa 30×30 cm große Quadrate aus den unterschiedlichen Paketbandsorten. Da mein Teppich etwa so lang werden sollte wie der Schrank war, vor dem der Teppich später seinen Platz finden sollte, musste ich etliche Quadrate stricken. Nachdem das erste Quadrat fertig war, legte ich es probehalber vor dem Schrank aus. Daran würde ich sehen können, wie viele Quadrate ich noch stricken müsste. Mein Probestück könnte dort auch gleich liegenbleiben, bis alle Teile fertig sein würden. Es störte ja nicht. Im Gegenteil, es sah sogar ganz nett aus.

Unser Kater Schnups hatte sich kurz zuvor häuslich vor unserer Heizung niedergelassen, um sich von seinen anstrengenden Tagesgeschäften zu erholen. Kaum aber lag mein erstes Strickquadrat vor dem Schrank, hatte der Kater nichts Eiligeres zu tun, als hinüber zu dem Gestrickten zu gehen. Da lag etwas Neues. Neugierig wie er war, musste er das natürlich inspizieren. Er beschnupperte das Strickstück zunächst eine ganze Weile. Schließlich schien er es genehmigt zu haben. Seine Zustimmung besiegelte er damit, dass er sich mitten darauf niederließ, sich noch ein wenig zurechtrückte und sich anschließend auf die Größe des gestrickten Quadrates zusammenrollte. Zufrieden mit sich und seinem neuen Teppich schloss er entspannt die Augen und setzte seinen begonnenen Spätnachmittagsschlaf fort.

Kater Hannibal alias Schnups

Als ich am anderen Tag mein nächstes Quadrat fertig hatte und zur Probe an das erste legte, hatte Schnups nichts Eiligeres zu tun, als sich wieder auf das kleine, inzwischen um ein Quadrat gewachsene, Stück Teppich zu legen. Dieses Mal aber rollte er sich nicht wie am Abend zuvor auf dem einen Quadrat zusammen, er machte sich etwas länger. Er füllte die beiden aneinander liegenden Teile vollständig der Länge nach aus. Toll, was seine Menschenfrau ihm da geschenkt hatte.

Beim nächsten fertiggestellten Stück Flickenteppich machte sich Schnups noch länger. Ich staunte mächtig, wie lang dieser Kater doch war. Und von einem gestrickten Quadrat zum anderen wurde auch der Plüschlöwe darauf immer länger und schließlich sogar breiter. Er bemühte sich jeweils, die Teppichstücken so gut wie möglich auszufüllen.

Auf Claras Wunsch habe ich jetzt noch nach dem Teppich gefahndet und ihn tatsächlich unter den alten Handtüchern und Decken, die den Katzen auf Fensterbrettern & Co. mitunter noch als Unterlage dienen, gefunden. Der Kater, der darauf umherläuft, ist allerdings nicht Schnups. Das Double ist Keks, der aber durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit dem damaligen Teppichbesetzer Schnups hat. Keks wollte allerdings lieber unter den Teppich kriechen, als ich das gute Stück zu Fotozwecken auslegte. Der Teppich dürfte inzwischen mindestens 35 Jahre alt sein. Man sieht es ihm auch an, löchrig, wie er inzwischen ist. Aber auch Generationen später lieben ihn, wie man sieht, die Katzen immer noch. Wenn auch irgendwie anders 😉😁

Für Diaschau eines der Bilder anklicken!

Aber zurück zu Schnups und dem Teppich. Wir warteten jedes Mal ganz gespannt, was passieren würde, wenn ich wieder ein neues Quadrat anlegen konnte. Es dauerte nie lange, bis Schnups auch das neue Teppichstück als sein ganz persönliches beschlagnahmte. Er muss fest der Meinung gewesen sein, dass ich den Teppich ganz allein für ihn angefertigt hatte. Auch als der Flickenteppich schließlich fertig zusammengenäht und an beiden kurzen Seiten mit Fransen verziert war, verlor er für den Kater nicht die Faszination. Im Gegenteil, der Paketbandteppich war und blieb vom ersten Tag an Schnupsens Lieblingsschlafplatz.

Der Kater von heute, Keks, liegt nicht drauf, er liegt lieber drunter 😻

Den kleinen Strickläufer hatten wir noch viele Jahre – sogar über den Kater hinaus. Später, als sich doch ein neuer Wohnzimmerteppich notwendig machte, verbrachte das gute Stück noch etliche Jahre in unserem Bad. Schnups weilte da schon lange nicht mehr unter uns. Doch der Teppich hat mich immer wieder an Schnups und seine seltsame Marotte im Zusammenhang mit diesem Flickenteppich erinnert.

Veröffentlicht von

Silberdistel

“Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele.” (Cicero)

26 Gedanken zu „Ein Teppich für den Kater“

  1. Das ist wieder eine sehr schöne Geschichte,liebe Silberdistel 💓
    Ich habe früher auch gern gestrickt,für mich selbst und auch für meine beiden Neffen,als sie noch klein waren.
    So ein Flickenteppich ist schön was feines,man kommt stückchenweise zum Ziel und hat nicht so eine „Mammutaufgabe“ vor sich. 😉
    Dass es so viele Sorten vom Paketband gibt,ist mir auch neu,man lernt wirklich nicht aus.
    Da warst du wirklich sehr fleißig!
    Von meinen Patenmiezen kenne ich diese ungestillte Neugier auch,niedlich ist das immer,so ganz selbstverständlich und fast nebenbei und unbemerkt werden neue Sachen beguckt und konfisziert,eben auch mit Vorliebe neue Sitz-und Liegeplätze.Da machte der gute Schnups natürlch keine Ausnahme. 😉 Aber natürlich war der Flickenteppich für ihn,wer konnte daran zweifeln?!
    Ist ja süß mit seiner wachsenden „Ausbreitung“. Ich kann ihn gut verstehen,dass dieses feine Patchworkbett sein Lieblingsplatz wurde,hat ja schließlich auch nicht jeder!
    Das sind ganz sehr liebe Erinnerungen an Schnups und seinen Strickläufer,liebe Silberdistel. 💓

    Einen schönen Abend für euch mit ganz lieben Grüßen und ebensolchen Knuddlern für die guten Miezen 💓 😘
    Brigitte.

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    1. Dankeschön, liebe Brigitte 😊 Es freut mich, dass Dir die Geschichte gefällt. Es ist wirklich lustig, dass Katzen solche neuen Dinge immer sofort für sich beanspruchen müssen. Doch besonders witzig fanden wir es damals, dass Schnups sich regelrecht der Größe des wachsenden Teppichs angepasst hat. Zunächst hat er das kleine Stückchen so besetzt, dass auch ja nichts von ihm überhing. Und je größer der Teppich wurde, umso mehr hat er sich darauf ausgebreitet. Schade, ich hätte es damals bildlich dokumentieren müssen. Aber da ging es fotografisch ja noch nicht digital. Entsprechend sparsam ist man halt auch mit dem Filmmaterial umgegangen.
      Danke für Deinen Kommentar und ganz liebe Grüße auch an Dich und von den Miezen liebe Schnurrgrüße ❤😻😽

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      1. Irgendwie seh ich jetzt noch mehr Fotos als gestern Abend,liebe Silberdistel. 😊 Das hing vielleicht mit den Schwierigkeiten wieder zusammen.Aber ganz fein ist alles noch! Das Kekslein als „Höhlenforscher“ ist allerliebst,so eine süße Schnute,dicken Schmatz drauf! 😘 Auch auf die von Torty! 😘

        Ganz liebe Grüße an euch alle zurück! 💓💓💓

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        1. Die Bilder habe ich eben erst eingestellt, liebe Brigitte, auf Wunsch von Clara. Wenn Du den Text vom Beitrag noch einmal überfliegst, wirst Du sehen, dass ich auch noch zwei Textabsätze hinzugefügt habe.
          Ach, ich konnte übrigens nichts sehen, warum Du gestern zunächst nicht kommentieren konntest.
          Liebe Grüße an Dich ❤😻😺

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  2. Hallo, hast du irgendein Foto von diesem Teppich. Ich habe das halbe Internet leergegoogelt nach Paketband. Ich habe immer nur dieses breite Klebeband in durchsichtig, braun, andersfarbig usw. gefunden – aber ich kann mir partout nicht vorstellen, dass man mit diesen Rollen stricken kann. Auch bei Amazon bin ich nicht fündig geworden.
    Meine Stricklust war nach dem größer werden der Kinder erlahmt und ist dann noch mal kurz aufgeflammt, als ich bei meinem ersten Westbesuch 1985 Wolle mitgebracht habe. – Aber das war es dann auch schon.
    Und tschüss!

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    1. Tja, liebe Clara, ich dachte, Du bist ein DDR-Kind und kennst auch noch Paketband bzw. Paketschnur. Jetzt verklebt man ja auch die Pakete. Ein Band ist nicht mehr gern gesehen oder sogar nicht mal erlaubt. Ein neues Zeitalter ist angebrochen. Schnups war noch ein richtiger DDR-Kater. Und auch dieser Teppich entstand demzufolge noch zu finsteren DDR-Zeiten. Auf Deinen persönlichen Wunsch hin habe ich noch einmal unseren gesamten Haushalt durchwühlt. Dabei habe ich doch tatsächlich unter alten Handtüchern & Co., die nur noch für die Katzen als Unterlagen dienen, diesen Teppich wiedergefunden. Also, jetzt kommt dieser Teppich sogar noch richtig zu Ehren und darf auf seine alten Tage noch im Internet als Model fungieren. Ob er davon schon immer geträumt hat? Ohne Dein Nachbohren hätte ich gar nicht mehr gewusst, dass er überhaupt noch unter uns weilt. Du hast mich ja fast ein wenig glücklich gemacht. Ich habe einen lieben alten Bekannten wiedergefunden 🥰
      Liebe Grüße an Dich und viel Spaß bei der Teppichschau 😉

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    1. DANKE – mein Gott, was hatten wir doch für eine Vielfalt in den Geschäften. Musstest du da mit Wäschepfählen stricken, weil die „Wolle“ so dick ist.
      Das sieht gar nicht übel aus – aber mein Teppichbedarf ist gedeckt, außerdem spinnt mein linkes Handgelenk – ich hoffe, das ist temporär.

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  3. Stricken gehört nach wie vor zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, allerdings immer eher so ab Herbst! 😊
    Die Idee mit dem Paketband bzw. der Paketschnur für einen Teppich ist eine sehr gute gewesen, im übrigen kenne ich auch noch den Ausdruck Paketband dafür. Schnur gehörte hier eher in die Kategorie Wäscheleine! 😂 Und auch in meiner westlichen Kinderzeit wurden mit Paketband/schnur noch Pakete verschnürt und versandfertig gemacht.
    Ideales Material für einen Teppich, robust und pflegeleicht!
    Das Schnups sich dann den Teppich vom ersten Quadrat an bis zu seiner Vollendung als allein ihm gehörend und als Geschenk von dir, liebe Silberdistel, betrachtete, kann ich sehr gut nachvollziehen, das ist ein sehr angenehmes Material für den kätzischen Inbegriff von auf was wohlfühlen und zudem ausgesprochen krallenfest. 😊
    Wie schön, daß du das feine Teil noch rausgekramt hast, Keks sieht genauso begeistert aus wie anno dunnemals wohl Schnups, er liegt zwar lieber drunter als drüber, aber jeder hat andere Vorstellungen von Gemütlichkeit.
    Danke für den schönen Eintrag, liebe Streichler an die beiden pelzigen Hausgenossen Keks und Torty kommen mit und liebe Grüße
    Monika.

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    1. Ich habe auch meistens mehr ab Herbst gestrickt. Das war immer eine schöne Winterbeschäftigung. Es sei denn, ich hatte mal etwas ganz Bestimmtes vor wie einen Sommerpulli z.B.
      Damals war es ja üblich, die Päckchen und Pakete mit einem Band oder einer Schnur zu verschnüren. Das war wohl sowohl im Osten als auch im Westen gleich. Hatte auch irgendwie was mit dem Zugeschnürten, konnte man besser zur Post tragen 😉
      Ja, dieses Paketband war und musste ja für den eigentlichen Zweck auch robust sein. So betrachtet war es natürlich auch widerstandsfähig gegen Katzenpfoten. Und der Teppich war uns wirklich noch lange dienlich, bis er dann an einigen Stellen regelrecht durchgetreten war. Die lange Haltbarkeit beweist durchaus, wie robust mein Strickmaterial in dem Falle war.
      Unser Keks liegt gern irgendwo drunter. Er würde, würde der Teppich heute noch irgendwo als Teppich liegen, sicher immer versuchen unterzukriechen. Decken sind für ihn logischerweise zum Zudecken da 😁 Er ist eben ein Mater – halb Mensch und halb Kater 😂
      Danke für Deine Zeilen, liebe Monika. Liebe Grüße zurück und von den beiden Pelztieren liebe Schnurrgrüße an Dich

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