Wenn neue Technik zum Katzenschreck wird

Das neue Jahr ist für Euch bisher hoffentlich gut verlaufen. Kaum zu glauben, dass wir schon wieder Februar haben. Im Garten sind bereits die ersten zarten Blüten zu sehen. Da kommt schon ein bisschen Sehnsucht nach dem Frühling bei uns auf. Doch bis dahin müssen wir uns wohl noch ein wenig anders unterhalten. Daher gibt es hier wieder einmal eine kleine Geschichte zu lesen – ein Erlebnis mit Kater Pooky, das nicht in meinem Buch „Pfote aufs Herz“ zu finden ist. Ich wünsche wieder viel Spaß mit unserem damaligen Plüschlöwen und uns, seinen Menschen!

An Altbewährtem hält man oft sehr lange fest. In unserer Familie wurden die allmorgendlichen Frühstückseier noch recht lange so gekocht, wie wir das noch von unseren Eltern kannten. Ein Topf mit Wasser wurde zum Kochen gebracht. Wenn das Wasser sprudelte, gab man vorsichtig die Eier hinein und ließ sie so lange kochen, bis sie die gewünschte Härte erreicht hatten. In unserer fünfköpfigen Familie war die ganze Sache noch etwas schwieriger. Jeder wünschte für sein Frühstücksei einen anderen Härtegrad. Also musste der Eierkoch seiner Aufgabe besonders aufmerksam nachgehen. Nach 5 ½ Minuten durfte das erste Ei seinem heißen Bad entkommen, nach 6 Minuten Ei Nummer 2, nach weiteren Minuten irgendwo zwischen 7 und 10 Minuten wurden die anderen drei Eier erlöst. Natürlich mussten sie nach dem Kochvorgang auch noch der richtigen Person zugeordnet werden. Damit es zu keinen Verwechslungen kam, habe ich die Eier meistens mit einem kleinen Motiv bemalt, es sei denn, ich war an einem Morgen einmal nicht so kreativ unterwegs. In solchen kreativlosen Phasen habe ich die Eier einfach nur mit dem Namen desjenigen versehen, dem das Ei zugeteilt werden sollte. Letztere Variante brachte mir allerdings meistens Kritik ein. Man darf seine Lieben halt gar nicht erst verwöhnen. Wo war das fröhliche Guten-Morgen-Ei, das den Tag so besonders machte?

Manchmal bemale ich selbst heute die Eier noch hübsch, damit der Tag ein wenig netter beginnt, so wie unlängst um Weihnachten herum, wenn auch von der Gestaltung her etwas simpler als damals, aber ich bin mit genauso viel Liebe bei der Sache.

Doch genug der Vorrede, Schluss mit der um das Heiße-Ei-Herumrederei, hier soll es schließlich nicht um Eier sondern um Katzen gehen. Oder AUCH um Katzen, besser noch – um Kater Pooky. Oder geht es doch eher um Eier? 🤔Ach, seht einfach selbst …

Eines Tages spazierten mein Mann und ich im Supermarkt unseres damaligen Vertrauens umher und erblickten etwas, das unsere Eierkocherei auf ein neues, höheres Niveau stellen könnte – einen Eierkocher. Was es doch alles so gab? Wieder würde der Küchenalltag ein wenig leichter werden, glaubte ich voller Zuversicht.

Wir kauften das Ding kurzentschlossen. Von da an brach tatsächlich ein neues Frühstückseijahrhundert in unserer Familie an. Der Eierkocher versprach viel, hielt aber kaum etwas davon. Das einzige Versprechen, das er hielt, war das, dass er die Eier kochte – irgendwie. Präzise war jetzt nichts mehr. Das Wunderwerk der Technik war eigentlich keins. Sein einziger Vorteil war, er verbrauchte weniger Wasser als der berühmte Kochtopf.

Wenn es aber um Präzision geht, ist „Handmade“ immer noch die einzig wahre Methode, selbst beim Eierkochen. Aber nun hatten wir das Ding und jeder musste die Eier so essen, wie sie aus dem neuen Wunderkocher kamen – manchmal hart, manchmal weich, nie so, wie wir sie am liebsten hatten. Aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wir kochen immer noch mit so einem Ding, wenn auch inzwischen bereits mit Kochern der nächsten und übernächsten Generation. Besser ist seit unserem Ersterwerb aber nichts geworden. Man muss die Eier also nehmen, wie sie aus dem Eierkocher kommen. Fertig!

Achja, Katze war das Thema. Dann jetzt schnell von der Mücke Ei zum Elefanten Kater!

Wir kamen also damals mit unserem ersten Eierkocher hochstolz nach Hause. Am anderen Morgen musste das Teil natürlich sofort ausprobiert werden. Mein Mann konnte sich nicht bremsen, natürlich musste ER die neue Technik in unseren Haushalt einführen und die ersten Koch-Tests fahren.

Er piekste die Eier fachmännisch an, dann gab er sie hinein in das neue Wunderwerk der Technik. Ein wenig Wasser wurde noch hinzugefügt und los ging die Kocherei mit dem Druck auf das Einschaltknöpfchen. Es köchelte bald leise vor sich hin. Wir schauten gespannt zu und vorfreuten uns auf ein ganz neues Frühstückseigefühl.

Derweil spazierte unser Kater Pooky durch die Küche, wie immer, wenn sein Personal sich zu Tisch begeben hatte. Es könnte ja sein, dass etwas für ihn abfallen würde. Falls nicht, kannte er allerlei Tricks, um sich ein leckeres Häppchen zu ergaunern. Er stolzierte also hin, er stolzierte her. Zwischendurch sprang er auf die Ecke in unserer Sitzecke, die scheinbar extra für Katzen erdacht wurde und blickte auf den gedeckten Tisch, schließlich musste er wissen, was seine Menschen Leckeres im Angebot hatten.

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Nun ja, Minzgelee war nicht unbedingt sein Fall. Er sprang wieder von seinem Hochsitz, stolzierte weiter durch die Küche und er ahnte nichts Böses.

Doch wie es so ist im Leben, das Böse schläft nie. Es ruht höchstens, doch irgendwann schlägt es erbarmungslos zu. So auch an diesem Morgen. Plötzlich ertönte ein furchtbar lautes Schnarren. Wir Menschen zuckten erschrocken zusammen, der Kater schoss vor Schreck wie ein Pingpongball  in die Höhe und landete erst ein Stückchen weiter wieder auf seinen vier Pfoten. Mit gesträubtem Pelz, buschigem Schwanz und mächtigem Katzenbuckel stand er erstarrt in der Küche und blickte abwehrbereit hinüber zu unserem neuen Wunderwerk der Technik und knurrte ihn an – den keifenden Eierkocher.

Der Kocher schnarrte weiter und ließ sich vom gefährlich knurrenden Kater nicht beeindrucken. Erst, als sich der Herr des Hauses erhob und auf das Ausschaltknöpfchen drückte, also auf das vom Kocher nicht auf das vom Kater, kehrte wieder Ruhe ein. Menschen und Kater atmeten auf und entspannten sich wieder. Der Kater schrumpfte auf seine normale Größe zurück.

Während sich der Koch an die Verteilung der Frühstückseier machte, galoppierte Pooky Richtung Wohnzimmer. Ihm war wohl durch den schrecklichen Lärm dieses neuen Küchenutensils jeglicher Appetit auf noch so leckere Häppchen vergangen. Er wollte hinaus in den Garten, wie er uns vom Wohnzimmer her durch lautstarkes Miauen mitteilte. Er brauchte entspannendes Vogelgezwitscher um sich, das Summen der Bienen und das Plätschern der in der Vogeltränke badenden Amsel, aber keinen Eierkocher.

Nachdem ich Pooky hinaus in den sonnigen Morgen gelassen hatte, konnte auch ich mich endlich dem Frühstück widmen. Doch entspanntes Frühstück war nun auch wieder anders. Meine Mitesser meckerten herum – am Härtegrad des Frühstückseies. Die Weicheiliebhaber hatten schlechte Karten. Zufrieden war nur die Fraktion der Zehnminuten-Ei-Liebhaber. Ich gehöre zwar auch eher zur ersten Fraktion, aber ein zehn Minuten gekochtes Ei ist mir immer noch lieber als ein Ei in noch fast rohem Zustand. Aber der Herr und Meister dieser ersten Frühstücksei-Erprobungsrunde meinte, Übung mache sicher bald den Ei-Kochmeister. Wir üben immer noch …

Im Laufe der Zeit glätteten sich aber die Wogen wieder. Wir Menschen gewöhnten uns an ein Durchschnittsei und der Kater ignorierte fortan das eklige Schnarren des Eierkochers. Meistens war Pooky bereits im Garten verschwunden, bevor der Kocher überhaupt mit seinem Weckruf begann.

Die Moral von der Geschicht‘ – Menschen und Katzen sind gleichermaßen lernfähig. Dem einen schmecken plötzlich auch härtere oder weichere Eier und der andere weiß, wann er sich besser aus dem Staube macht, als sich mit einem gefährlich schnarrenden Eierkocher anzulegen.

Eine Weihnachtsgeschichte

Neben dieser kleinen Weihnachtsgeschichte, die ich hier heute vorstellen möchte, sind noch viele andere Geschichten in meinem Buch „Pfote aufs Herz : ohne Katze geht hier nichts“ zu finden. Vielleicht hat ja der eine oder andere von Euch, der mein Buch noch nicht kennt, Lust darauf, mehr über Kater Pooky und meine Familie zu erfahren. Oder Ihr sucht noch ein Weihnachtsgeschenk für ein Familienmitglied oder einen lieben Freund. Pooky wird Euch ganz sicher unterhaltsame Weihnachtstage bescheren 😽

Das Buch ist bei Amazon als Taschenbuch oder Kindle, bei Books on Demand als Taschenbuch oder E-Pub oder auch bei allen anderen Buchhändlern, z. B. bei Thalia, ebenso als Taschenbuch oder E-Pub im Angebot.
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Aber nun zu der kleinen Weihnachtsgeschichte aus meinem Buch. Viel Spaß bei Lesen und habt einen schönen 4. Advent und ein wunderschönes Weihnachtsfest mit Euren Lieben, zu denen sicher auch so manche Katze oder so mancher Kater gehört. Wenn ja, dann habt Ihr vielleicht schon Ähnliches mit Euren Vierbeinern erlebt, wie wir mit unserem Kater Pooky.

Wenn es weihnachtet

Wie alljährlich stand auch in dem Jahr, in dem unser neuer pelziger Mitbewohner bei uns eingezogen war, plötzlich und unerwartet Weihnachten vor der Tür. Wie schnell war doch die Zeit vergangen. Hatten wir nicht eben noch darüber diskutiert, was es mit einer neuen Katze im Hause alles zu bedenken geben würde? Und nun wohnte dieser freche Springinsfeld schon länger als ein halbes Jahr bei uns und hatte während dieser Zeit für mehr als genug Aufregung gesorgt. Wir waren gespannt, wie das Weihnachtsfest mit unserem Jungspund verlaufen würde.

Der Vormittag vom Heiligabend war, wie alljährlich üblich, auch dieses Mal dem Aufstellen und Schmücken des Weihnachtsbaumes zugedacht.

Als unsere jüngste Tochter und ich mich ans Werk machten, war von unserem Kater weit und breit nichts zu sehen. Sicher schlief er tief und fest in einem gemütlichen Eckchen. Gut so, konnten wir uns doch so in aller Ruhe dem Baum widmen, ohne Gefahr laufen zu müssen, dass uns ein flinkes kleines Pelztier dauernd die Weihnachtskugeln stahl. Und so sah unser Baum auch bald richtig hübsch aus. Die Kugeln waren gut verteilt, auch verschiedene Glöckchen und kleines Holzspielzeug hatten am Baum Platz gefunden. Kerzen und Lametta gaben ihm schließlich den letzten Schick. Stolz schauten wir auf unser Kunstwerk.

Doch nicht nur wir Menschen sahen in diesem Moment voller Bewunderung auf den Baum im Festtagskleid. Neben uns saß plötzlich, wie aus dem Nichts aufgetaucht, unser pelziger Mitbewohner und blickte mit großen schwarzen Kulleraugen auf den bunt glitzernden Weihnachtsbaum. Nach einer Weile atemlosen Staunens erhob er sich und trippelte etwas näher heran an dieses neue seltsame Teil in unserem Wohnzimmer. Was war das nur für ein merkwürdiges Gebilde? Roch es nicht eher nach Wald als nach einem Wohnzimmermöbel? Er schnüffelte und schnüffelte und rückte Stück für Stück näher an den Baum heran, stupste schließlich eine goldene Kugel an und gleich daneben ein silbernes Glöckchen. Das Glöckchen gab, als die Katzennase es berührte, ein leises Kling von sich. Überrascht blickte unser Kater auf das sprechende silberne Ding im Baum.

Wir Baumgestalter standen, ganz entzückt über unseren staunenden Vierbeiner, da und lächelten still in uns hinein. Sah es nicht total niedlich aus, wie sich Pooky über den Baum wunderte?

Doch dann war plötzlich der Moment des Staunens vorüber. Unser Kater hatte offensichtlich den Baum auf einmal als das erkannt, was er wirklich war – als Baum, wenn auch als einen von etwas ungewöhnlichem Aussehen. Aber Bäume kannte er nun wirklich mehr als gut aus dem Park hinter unserem Haus. Sie waren seit seinem ersten Kletterausflug immer mehr zur großen Leidenschaft geworden. Seine Begeisterung für Bäume kannte nahezu keine Grenzen. Immer wieder erklomm er sie bis hinauf in ungeahnte Höhen.

Dass auch unser Weihnachtsbaum seine Kletterlust entfachen könnte, hatten wir allerdings nicht erwartet. Wir rechneten eher damit, dass ihn die vielen bunten Kugeln und Glöckchen faszinieren und seinen Spieltrieb anregen würden. Ganz falschgelegen hatten wir mit dieser Vermutung zwar nicht, doch vorerst drängelte sich bei unserem Kater der Klettertrieb in den Vordergrund. Ruckzuck war unser Plüschlöwe unter dem Baum verschwunden, und bevor überhaupt noch einer von uns beiden reagieren konnte, hatte er den dünnen Stamm umklammert und sauste flink wie ein Eichhörnchen im Geäst empor. Die Glöckchen klimperten, Kugeln und Holzspielzeug wackelten und zappelten im Klettertakt des Katers. Die ersten Kerzen sausten zu Boden und unser ganzer Stolz, die schicke silberne Baumspitze, stellte sich keck auf halb acht und drohte mit dem Absprung. Je höher unser Stubentiger flitzte, umso bedenklicher begann der Baum zu schwanken. Es klingelte und klimperte wie wild, und genau das schien den Kletterer noch anzufeuern, schneller, weiter und höher zu steigen.

All das war in Sekundenschnelle geschehen, und es machte uns beiden Menschen für einen Moment lang sprach- und regungslos. Ich löste mich wohl als erste aus dieser Starre. Mir wurde bewusst, dass der Baum im nächsten Moment samt Kater umzufallen drohte. Beherzt griff ich in den Baum, um den Kater rauszupflücken. Doch der verteidigte den Baum wie ein Lieblingsfutter und ließ das neue Klettermöbel nicht los. Fast wären Kater und ich, wie schon zuvor die Kerzen, zu Boden gegangen und unter dem Baum begraben worden, hätte nicht unsere Tochter im letzten Moment unser Kunstwerk von einem Baum ergriffen und festgehalten. Reaktionsschnell hatte sie nebenher sogar noch die sprungbereite Baumspitze vor dem Sturz in die Tiefe gerettet.

Aber mit all dem war es noch immer nicht getan. Wir brauchten weitere helfende Hände. Wie auf Kommando riefen wir beide um Hilfe, in der Hoffnung, vom Rest der Familie gehört zu werden. Gewöhnlich ist aber gerade dann, wenn man dringend Hilfe benötigt, keiner da, auch wenn die Wohnung noch so klein und hellhörig ist und der Hilfeschrei selbst drei Häuser weiter noch zu hören sein müsste. Plötzlich sind alle auf sonderbare Weise taub. Wir brauchten aber dringend einen weiteren Helfer, einen, der die fest mit dem Baum verschweißten Pfoten des Katers lösen musste.

Endlich ging im gefühlten Zeitlupentempo die Tür auf und der Herr des Hauses fragte, warum wir so entsetzlich brüllen würden. Doch dann erfasste er die Situation recht schnell, und es gelang uns mit vereinten Kräften, Kater und Baum voneinander zu trennen.

Nach diesem aufregenden Abenteuer durfte das pelzige Ungeheuer nur noch unter strengster Aufsicht ins Wohnzimmer. Beim geringsten Versuch, erneut den Weihnachtsbaum kletternd bezwingen zu wollen, wurde der Vierbeiner ausgesperrt. Irgendwann hatte er aber begriffen, dass der Baum nicht als Klettermöbel für ihn gedacht war. Zumindest in dieser Hinsicht hatten wir von da an Ruhe. Nur Kugeln, Glöckchen und das kleine Holzspielzeug müssen einfach zu verlockend gewesen sein. Das Glitzern, Blinken und Zappeln zog ihn magisch an. Er konnte einfach nicht davon ablassen. Immer wieder stahl er etwas davon vom Baum und verstreute die einzelnen Teile im Zimmer. Lametta ging seit diesem Weihnachtsfest gar nicht mehr. Pooky liebte es über alles, aber er dekorierte damit nicht nur die gesamte Wohnung, er bemühte sich auch immer wieder, es zu fressen. Das konnten wir natürlich nicht zulassen, wenn uns das Leben dieses kleinen Schlawiners lieb war. Lametta ist von da an für immer und alle Zeiten von unseren Weihnachtsbäumen verbannt worden. Erstaunlicherweise vermissten wir es auch bald nicht mehr.

Wir wünschen Euch eine schöne Adventszeit

„Pfote aufs Herz“ wünscht Euch allen noch eine schöne restliche Adventszeit. Macht es Euch gemütlich – nicht nur mit Keksen und Kuchen, auch mit Euren Vierbeinern. Vielleicht wohnen ja auch bei Euch solche Plüschlöwen wie hier bei uns. Apropos Keks und Gemütlichkeit, wir können so oder so und nicht nur in der Adventszeit auf den Keks zurückkommen, denn der eine unserer Plüschlöwen trägt den Spitznamen Keks. Gekommen ist er dazu, weil er uns als noch kleiner Kater oft penetrant auf den Keks ging 😉 Was hat er doch alles für Unsinn angestellt.

Inzwischen ist er zwar etwas ruhiger geworden, aber der Schalk sitzt ihm nach wie vor im Nacken. Doch wir wissen, er meint es nur gut mit uns und möchte zu unserer Unterhaltung beitragen. Es wäre auch furchtbar, wenn seinem Personal einmal langweilig werden würde. Obwohl … mit Katzen als Mitbewohnern, denen man noch dazu jeden Wunsch von den Augen ablesen muss, ist es nahezu unmöglich, der Langeweile zu verfallen.

Keks und seine Schwester Torty, die beiden derzeitigen plüschigen Unterhaltungskünstler im Hause „Pfote aufs Herz“, wünschen Euch ein gute Zeit. Lasst sie Euch bis zu den Feiertagen nicht lang werden.

Und noch ein Tipp von den beiden, solltet Ihr noch ein Weihnachtsgeschenk für Eure katzenverrückten Lieben suchen oder Euch gar selbst die Zeit bis zum Heiligabend mit einem guten Buch vertreiben wollen, dann greift zu „Pfote aufs Herz : ohne Katze geht hier nichts“.

Wir garantieren gute Unterhaltung, denn einer der Vorgänger von Torty und Keks, Kater Pooky, um den es in dem Buch geht, hielt uns, seine menschliche Familie, sein Leben lang mit seinen Streichen in Atem und er machte uns letztendlich sogar süchtig nach diesen verrückten plüschigen Vierbeinern. Nach ihm zogen immer wieder solche samtpfotigen Wesen bei uns ein.

Mit Torty und Keks wohnt bereits die dritte Katzengeneration bei uns. Von den beiden wird es hier nun auch ab und zu etwas zu lesen geben. Vielleicht wird aus ihren Erlebnissen mit uns oder unseren mit ihnen irgendwann auch ein Buch. Erlebt haben wir so einiges miteinander. Es muss „nur“ noch aufgeschrieben werden.

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Weihnachten mit Katze

Was kann schöner sein als ein Weihnachtsfest mit Katze? Okay, es muss ja nicht gleich das fröhliche Katzenleben pur sein. Vielleicht reicht für den Anfang auch ein Blick in das Familienleben anderer mit Katzen. Ich kann Euch ein Buch ans Herz legen, das sich sicher gut unter dem Weihnachtsbaum macht und noch dazu während der Feiertage für angenehme Unterhaltung sorgt. Und vielleicht zieht dann irgendwann auch bei Euch ein solch plüschiger Mitbewohner ein wie Kater Pooky 😽 Naja, oder Ihr seid für immer abgeschreckt. Wenn ja, dann war das Buch trotzdem zu etwas gut – es hat Euch vor dem gewarnt, was alles auf Euch zukommen kann, wenn Ihr Euch für ein Leben mit Katze entscheidet 😉😽

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Ein Teppich für den Kater

Stricken war vor einigen Jahren noch eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Inzwischen bin ich davon irgendwie abgekommen, obwohl ich immer noch jede Menge Wollvorräte gehortet habe. Damals habe ich nicht nur die Familie von Kopf bis Fuß bestrickt, auch Dekoratives für unser Zuhause gehörte zu meinen Strickkunstwerken. Ein Flickenteppich, eine Art Läufer, war eines meiner Lieblingsprojekte. Schon eine ganze Weile hatte ich nach einer Idee gesucht, wie ich eine schadhafte Stelle auf unserem sonst noch schönen Wohnzimmerteppich verdecken konnte.

In einer meiner Handarbeitszeitschriften sprang mir schließlich eine Idee entgegen. Ein wunderschöner Flickenteppich lächelte mich daraus an. Ich war sofort verliebt in ihn. Zusammengesetzt war er aus mehreren aus verschiedenen Paketbandsorten gestrickten Quadraten.

Natürlich machte ich mich eilends auf die Suche nach entsprechendem Material für meinen Teppich. Paketband gab es eher nicht in meinem Lieblingswolleladen. Doch in Schreibwarenläden wurde ich fündig.

Das Paketband von damals, wir sprechen hier von DDR-Zeiten, diente zum Zuschnüren von Paketen. Damals wurde geschnürt und nicht geklebt. Farb- und Materialbeispiele zeigen die ersten drei Bilder in der folgenden Diaschau. Ein Beispiel aus dem jetzigen Jahrhundert ist das darunter abgebildete Knäuel, das allerdings mehr ein Band aus dem Gärtnerbedarf ist. Es kommt der damaligen Paketschnur zumindest einigermaßen nahe. Es ist allerdings wesentlich fester und sicher nicht so gut zum Stricken geeignet wie das, das ich im vorigen Jahrhundert 🤭 verwendet habe.

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Wie erstaunt war ich damals, als ich auf die Suche nach entsprechender Paketschnur ging, wie viele unterschiedliche Sorten es davon gab. Das war mir bis dahin noch gar nicht aufgefallen. Fröhlich kaufte ich mich durch dickes und dünnes, meliertes und einfarbiges Band. Am Ende hatte ich eine hübsche Kollektion zusammen. Mein Strickmarathon konnte beginnen. Abend für Abend fertigte ich etwa 30×30 cm große Quadrate aus den unterschiedlichen Paketbandsorten. Da mein Teppich etwa so lang werden sollte wie der Schrank war, vor dem der Teppich später seinen Platz finden sollte, musste ich etliche Quadrate stricken. Nachdem das erste Quadrat fertig war, legte ich es probehalber vor dem Schrank aus. Daran würde ich sehen können, wie viele Quadrate ich noch stricken müsste. Mein Probestück könnte dort auch gleich liegenbleiben, bis alle Teile fertig sein würden. Es störte ja nicht. Im Gegenteil, es sah sogar ganz nett aus.

Unser Kater Schnups hatte sich kurz zuvor häuslich vor unserer Heizung niedergelassen, um sich von seinen anstrengenden Tagesgeschäften zu erholen. Kaum aber lag mein erstes Strickquadrat vor dem Schrank, hatte der Kater nichts Eiligeres zu tun, als hinüber zu dem Gestrickten zu gehen. Da lag etwas Neues. Neugierig wie er war, musste er das natürlich inspizieren. Er beschnupperte das Strickstück zunächst eine ganze Weile. Schließlich schien er es genehmigt zu haben. Seine Zustimmung besiegelte er damit, dass er sich mitten darauf niederließ, sich noch ein wenig zurechtrückte und sich anschließend auf die Größe des gestrickten Quadrates zusammenrollte. Zufrieden mit sich und seinem neuen Teppich schloss er entspannt die Augen und setzte seinen begonnenen Spätnachmittagsschlaf fort.

Kater Hannibal alias Schnups

Als ich am anderen Tag mein nächstes Quadrat fertig hatte und zur Probe an das erste legte, hatte Schnups nichts Eiligeres zu tun, als sich wieder auf das kleine, inzwischen um ein Quadrat gewachsene, Stück Teppich zu legen. Dieses Mal aber rollte er sich nicht wie am Abend zuvor auf dem einen Quadrat zusammen, er machte sich etwas länger. Er füllte die beiden aneinander liegenden Teile vollständig der Länge nach aus. Toll, was seine Menschenfrau ihm da geschenkt hatte.

Beim nächsten fertiggestellten Stück Flickenteppich machte sich Schnups noch länger. Ich staunte mächtig, wie lang dieser Kater doch war. Und von einem gestrickten Quadrat zum anderen wurde auch der Plüschlöwe darauf immer länger und schließlich sogar breiter. Er bemühte sich jeweils, die Teppichstücken so gut wie möglich auszufüllen.

Auf Claras Wunsch habe ich jetzt noch nach dem Teppich gefahndet und ihn tatsächlich unter den alten Handtüchern und Decken, die den Katzen auf Fensterbrettern & Co. mitunter noch als Unterlage dienen, gefunden. Der Kater, der darauf umherläuft, ist allerdings nicht Schnups. Das Double ist Keks, der aber durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit dem damaligen Teppichbesetzer Schnups hat. Keks wollte allerdings lieber unter den Teppich kriechen, als ich das gute Stück zu Fotozwecken auslegte. Der Teppich dürfte inzwischen mindestens 35 Jahre alt sein. Man sieht es ihm auch an, löchrig, wie er inzwischen ist. Aber auch Generationen später lieben ihn, wie man sieht, die Katzen immer noch. Wenn auch irgendwie anders 😉😁

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Aber zurück zu Schnups und dem Teppich. Wir warteten jedes Mal ganz gespannt, was passieren würde, wenn ich wieder ein neues Quadrat anlegen konnte. Es dauerte nie lange, bis Schnups auch das neue Teppichstück als sein ganz persönliches beschlagnahmte. Er muss fest der Meinung gewesen sein, dass ich den Teppich ganz allein für ihn angefertigt hatte. Auch als der Flickenteppich schließlich fertig zusammengenäht und an beiden kurzen Seiten mit Fransen verziert war, verlor er für den Kater nicht die Faszination. Im Gegenteil, der Paketbandteppich war und blieb vom ersten Tag an Schnupsens Lieblingsschlafplatz.

Der Kater von heute, Keks, liegt nicht drauf, er liegt lieber drunter 😻

Den kleinen Strickläufer hatten wir noch viele Jahre – sogar über den Kater hinaus. Später, als sich doch ein neuer Wohnzimmerteppich notwendig machte, verbrachte das gute Stück noch etliche Jahre in unserem Bad. Schnups weilte da schon lange nicht mehr unter uns. Doch der Teppich hat mich immer wieder an Schnups und seine seltsame Marotte im Zusammenhang mit diesem Flickenteppich erinnert.

Süßes für die Katz

Unser Teilzeitkater Hanniball bzw. Schnups, in meinem Buch begegnet er uns gleich zu Anfang, war zwar vorwiegend ein Draußenkater, doch in der kalten Jahreszeit war er gern auch etwas länger bei uns in der Wohnung. Wenn ich nachmittags von der Arbeit heimkam, saß er oft schon, sehnsüchtig auf mich wartend, auf dem Fensterbrett unseres Schlafzimmerfensters. Kaum hatte er mich gesehen, kam er angespurtet, um mich freudig zu begrüßen und mit mir ins Haus zu gehen. Im Hausflur hatte er es gewöhnlich besonders eilig, vor unsere Wohnungstür zu kommen. Der Hausflur ängstigte ihn immer irgendwie. Mitunter tauchte dort nämlich unversehens ein fremder Mensch auf. Dann geriet Schnups schnell mal in Panik und versuchte verzweifelt, sich hinter mir zu verstecken. In solchen Fällen musste ich immer ganz besonders schnell die Wohnungstür aufschließen, damit er sich in unserem Flur vor diesem fremden Menschen in Sicherheit bringen konnte. Andere Menschen waren und blieben für ihn immer unheimlich. Er hielt sich stets möglichst fern von ihnen. Wesentlich lieber als den Hausflur benutzte Schnups daher das Schlafzimmerfenster als Zugang zu unserer Wohnung. Oft aber hatte er es so eilig, zu seinem Futterteller in unserer Küche zu kommen, dass er dann doch todesmutig den Weg zusammen mit mir durch den Hausflur wählte. Das war besonders in der kalten Jahreszeit der Fall. Im Winter waren die Mäuse wohl eher rar und damit war das Jägerglück des Katers auch eher mäßig. Nur verständlich, dass ihn sein leerer Magen magisch zu seinem Futterteller in unserer Küche zog.

Gut gesättigt machte er anschließend gern ein Verdauungsschläfchen in unserem Wohnzimmer – ganz in Ruhe und in Sicherheit. Richtig entspannt schlafen konnte er, so glaube ich, nur in unserer Wohnung. Nur dort fiel alle Hektik von ihm ab. Manchmal bot er ein herrliches Bild, wenn er endlich völlig entspannt dalag mit in die Heizungsrippen gefalteten Pfoten, den Bauch dabei ganz dicht an die Wärmequelle geschoben. Nicht selten lag er fast mehr unter statt an der Heizung, um mit möglichst jedem Quadratzentimeter seines Körpers die wohlige Wärme zu tanken. In der Regel machte er sich erst nach unserem abendlichen Fernsehprogramm wieder auf den Weg nach draußen, um ausgeschlafen die Nacht bis zum frühen Morgen und bis zu seinem Frühstück bei uns im Freien zu verbringen.

So saß ich an einem kalten Winterabend gemütlich vor dem Fernseher, vor mir eine Tüte mit Studentenfutter und ließ mir die knackigen Nüsse schmecken. Kater Schnups schlief schon eine ganze Weile selig und entspannt mehr in als vor der Heizung. Plötzlich aber kam Leben in den eben noch tief und fest schlummernden Kater. Langsam drehte er den Kopf in meine Richtung und schaute mich aus schmalen Pelzschlitzen an. Interessiert schnüffelte er zu mir hinüber. Dann entknotete sich das Pelzbündel langsam aus den Heizungsrippen, erhob sich, reckte und streckte sich, gähnte einmal herzhaft und kam schließlich zu mir rüber. Dicht vor mir blieb er stehen, setzte sich auf sein pelziges Hinterteil und sagte: „Mau!“
Ich wandte mich vom Fernseher und vom Studentenfutter ab und schaute den Kater gespannt an: „Na, was ist? Möchtest Du heute etwa schon früher raus als sonst? Okay, dann komm, ich lass Dich schnell in den Garten!“

Doch als ich aufstand, zur Tür ging, um den Kater ins Schlafzimmer und von dort hinaus in den Garten zu lassen, folgte er mir nicht. Die Tüte mit dem Studentenfutter hatte ich auf der Couch liegengelassen. Scheinbar hatte genau die das Interesse des Katers geweckt. Er wollte also nicht vorzeitig zum abendlichen Reviergang aufbrechen, ihn interessierte vielmehr, was in der Tüte war.
Ich grinste den Kater an und fragte: „Du willst doch nicht etwa vom Studentenfutter kosten?“
Als ich die Tüte wieder in die Hand nahm, begann Schnups wohlig zu schnurren. Ob er tatsächlich vom Studentenfutter probieren wollte? Die Nüsse hatte ich derweil alle verspeist, nur Rosinen hatte ich noch jede Menge zu bieten. Die mag ich nämlich nur im Kuchen. Rosinen pur sind so gar nicht mein Fall. Mein Mann mag sie allerdings sehr gerne. Der schnurrende Kater wich mir nicht von der Seite. Immer wieder versuchte er, an der Tüte zu schnuppern. Ob er auch wie mein Mann Rosinen mochte?
Spaßeshalber sammelte ich eine Rosine aus der Tüte und hielt sie Schnups hin. Verblüfft schaute ich zu, wie der Kater das süße kleine Etwas förmlich hinunterschlang. Und schon verlangte er mehr davon. Das konnte doch nicht wahr sein. Der Kater fraß Rosinen. Sie schienen ihm sogar richtig gut zu schmecken. Von diesem Tag an, war er immer zur Stelle, wenn auch nur eine Studentenfuttertüte knisterte und verlangte nach Rosinen.

Irgendwann las ich dann aber mehr zufällig, dass Rosinen bei Hunden, aber durchaus auch bei Katzen, Schaden anrichten können. Sie stehen in dem Ruf, Durchfall und Erbrechen hervorzurufen oder sogar Schlimmeres. Also verhängte ich von da an ein Rosinenverbot für den Kater, auch wenn er die kleinen Früchte noch so sehr mochte und uns jedes Mal furchtbar vollschnurrte, wenn er irgendwo Rosinen erschnüffelte. Schließlich wollten wir Schnups mit diesem doch recht ungewöhnlichen Leckerli nicht am Ende doch noch irgendwelche gesundheitlichen Probleme bereiten. Ich hoffte sehr, dass das durch mein unbedachtes Handeln zuvor nicht schon geschehen war.

Aber seltsam fand ich es schon, dass der Kater so wild auf Rosinen war. Irgendetwas Verlockendes müssen sie wohl für Katzen an sich haben – diese kleinen getrockneten Früchte. Einige Jahre später wurde ich mit dem Rosinenproblem und Katzen nämlich noch einmal konfrontiert. Unser Kater Pooky stand scheinbar ebenso wie Schnups auf Rosinen. Der hat sie sogar zu meinem Ärger einmal aus einem frisch gebackenen Hefetopfkuchen gepolkt. Die Kuchengeschichte mit und um Pooky ist übrigens auch in meinem Buch (Seite 174 ff.) im Kapitel „Rosinen im Kater“ zu finden.

Über dieses Blog

„Pfote aufs Herz“ ist nicht der Film zum Buch, sondern, als kleiner bescheidener Ableger meines Blogs „Durch Bücherstaub geblinzelt“, das Blog zum Buch. Da mein Blog „Durch Bücherstaub …“ seit einigen Jahren nur noch als privates Blog existiert, ich das aber nicht wieder ändern möchte, habe ich beschlossen, mit „Pfote aufs Herz“ ein neues öffentliches Blog zu starten. Anlass dafür ist mein Buch

 „Pfote aufs Herz: ohne Katze geht hier nichts“.

Anfang März ’22 ist es als Taschenbuch erschienen, und seit dem 1. April – das ist kein Aprilscherz  – gibt es „Pfote aufs Herz“ auch als E-Book sowohl in der Kindle-Version als auch als e-Pub.

Wer also an unseren Katzen-Menschen-Erlebnissen gern teilhaben möchte, kann es hier bestellen oder gern auch bei seinem Lieblingsbuchhändler. Das Taschenbuch ist für 9,99 Euro zu haben, das E-Book für 3,99 Euro.

In loser Folge wird es hier immer mal wieder einige Hintergrundinformationen zum Buch geben. Und vielleicht gibt es sogar irgendwann einen nächsten Band zu „Pfote aufs Herz“.

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Wenn ein Tierarztbesuch zum Abenteuer wird

In meinem Buch „Pfote aufs Herz“ lernt der Leser zunächst Kater Hannibal alias Schnups kennen. Wie wir zu ihm kamen, das erzählt neben vielen anderen Menschen-Katzen-Erlebnissen mein Buch. Aber auch hier im Blog wird es immer mal wieder etwas über diesen Kater zu lesen geben.

Dass unser Fahrradschuppen einmal zum Kreißsaal für Katzen werden könnte, hatte ich nun wirklich nicht gedacht. Die schwarze Hofkatze Minka, die sich den Hof des Mehrfamilienhauses, in dem wir damals wohnten, als Mittelpunkt ihres Reviers auserkoren hatte, muss das allerdings anders gesehen haben.

Für sie muss unser Schuppen der ideale Ort gewesen sein, um ihren Nachwuchs zur Welt zu bringen. Eine alte Kinderbettmatratze, die wir in den Schuppen ausgelagert hatten, diente ihr für diesen Zweck als Lagerstatt und nachfolgend ihren drei Katzenbabys als perfekte Kinderstube. Nachdem wir unsere supersüßen pelzigen Untermieter entdeckt hatten, brachten wir es nicht übers Herz, sie einfach vor die Tür zu setzen. Irgendwie saß mir immer noch das schlechte Gewissen, das mir Minka mit ihrem Kopfkissengeschenk beschert hatte, im Nacken. Die kleine Katzenfamilie durfte also dieses Mal bleiben, wo sie war. Und schließlich versuchte ich sogar, ein schönes Zuhause für die Katzenkinder zu finden. Zwei der Kätzchen konnten auf einen Bauernhof ziehen, doch eins blieb am Ende trotz all meiner Mühen übrig – ein graugetigertes Katerchen. Und genau dieser kleine Bursche schlich sich nach und nach in mein Herz und wurde im Laufe der Zeit zu einem Teilzeithauskater, der regelmäßig von uns Futter bekam und bei Bedarf auch einen trockenen und warmen Schlafplatz in unserer Wohnung. In Freiheit geboren, ist Schnups aber nie ein reiner Stubenkater geworden. Er liebte das Leben in der freien Natur viel zu sehr. Zum Futtern kam er ins Haus, mitunter auch für ein kurzes Nickerchen. Letzteres speziell im Winter, wenn es draußen nass und unangenehm kalt war. Dann lag er gern für eine Weile an der warmen Heizung – oft regelrecht in die Heizungsrippen gefaltet.

Er wuchs mit unserer Unterstützung zu einem prächtigen Kater heran. Damals, als wir ihn unter unsere Fittiche nahmen, hatte man es allgemein noch nicht so mit dem Kastrieren der Katzen. So blieb auch Kater Hannibal, so hatte ich ihn bald genannt, ein richtiger Kater. Im Frühjahr und Sommer lockten ihn somit auch bald die Katzendamen, und mit ihnen kam es wohl auch öfter zu Rivalitäten unter den Katern. Dabei müssen mitunter ganz schön die Fetzen geflogen sein, denn unser getigerter Freund kam nicht selten mit einem neuen Schlitz im Ohr oder sogar einem Schmiss in seinem Pelz zurück. Kleinere Wunden konnte ich selbst behandeln. Manchmal aber entzündete sich doch eine dieser Verletzungen, die dann dummerweise auch einen Tierarztbesuch notwendig machte. Eine richtige Katzentransportbox besaßen wir damals nicht. Bis dahin hatten wir nicht vermutet, dass wir den Kater irgendwann irgendwohin würden transportieren müssen. Doch das war ein gewaltiger Irrtum, wie sich plötzlich herausstellte. Also musste für die Fahrt zum Tierarzt auf die Schnelle etwas anderes herhalten. Ein Einkaufskorb aus Plastik sollte wohl gehen. Darüber spannten wir ein altes Fischernetz, banden es fest und fertig war die Katzenbehelfstransportbox.

Als ich mich eines Tages mit dem Kater auf den Weg in die hiesige Tierklinik machen musste, standen mir bereits vor der Fahrt dorthin die Schweißperlen auf der Stirn. Schon allein der Akt, den Kater in die Behelfsbox zu bekommen, war mehr als schweißtreibend. Selbst die liebste Hauskatze lässt sich ja in den meisten Fällen, wie ich heute weiß, nicht ohne Gegenwehr in den schönsten und bequemsten aller Transportkörbe stecken. Unser halbwilder Hannibal gebärdete sich entsprechend panisch. Bis dahin war er nie in irgendetwas eingesperrt worden. Was hatten die Menschen nur plötzlich mit ihm vor? Ich konnte ihm ja leider nicht erklären, dass diese „Zwangsjacke“ nur zu seinem Guten sein sollte. Selbst, wenn er es verstanden hätte, hätte ihm sicher immer noch die Einsicht in die Notwendigkeit dieser Aktion gefehlt.
Irgendwie aber mussten wir den Kater in die Behelfsbox bekommen. Gutes Zureden war illusorisch. Allein hätte ich das Problem wohl kaum lösen können. Einer musste den Korb halten. In der Regel war das mein Mann. Da der Kater zu mir am meisten Vertrauen hatte, war ich dafür zuständig, ihn zu greifen und in den Korb zu verfrachten. Anschließend musste blitzschnell das Netz über Kater und Korb geworfen und irgendwie befestigt werden. Wenn das nicht in rasanter Geschwindigkeit geschah, war der Kater schneller wieder raus aus dem Korb, als wir gucken konnten. Mein Blutdruck war bei diesen Aktionen sicher jeweils jenseits von Gut und Böse. Wahrscheinlich hätte ich selbst einen Arzt gebraucht, der sich um meinen Bluthochdruck gekümmert hätte.

Doch schließlich war es geschafft, der Kater steckte im Einkaufskorb. Es konnte also losgehen auf die Abenteuerreise. Ob ich Hannibals Vertrauen in mich verspielt hatte, würde sich wohl nach dieser Aktion zeigen.

Wenn man mit Kindern reist, schickt man sie gewöhnlich vor der großen Fahrt noch einmal auf die Toilette. Man möchte schließlich nicht, dass unterwegs ein Unglück geschieht, denn, weiß man, ob man gerade dann anhalten kann, wenn die Blase von Töchterchen oder Sohnemann überzulaufen droht?

Der Kater aber wurde ohne Vorwarnung einkassiert und in die „Zwangsjacke“ gesperrt. Er konnte also vorher gar nicht noch mal schnell für kleine Kater gehen.
Was ich davon haben sollte, würde ich bald sehen. Wahrscheinlich läuft wohl auch bei Katern vor lauter Furcht vor dem, was ihm bevorstehen mag, die Blase schneller voll als zu normalen völlig ungestressten Zeiten. Da geht es einem Kater sicher nicht anders als uns Menschen.
Jedenfalls hatte ich den Behelfskatzentransportkorb samt Kater eben aus dem Auto gehoben und mich auf den Weg zur Tierarztpraxis gemacht. Unterwegs kam mir ein Herrchen mit Hund entgegen. Plötzlich vernahm ich ein plätscherndes Geräusch. Ich glaubte, der Hund vor mir würde sich gerade auf dem Weg erleichtern, hatte er doch endlich den furchtbaren Tierarztbesuch hinter sich. Doch nix da, sein Herrchen grinste mich amüsiert an und schaute belustigt auf mein fest verschnürtes Katerpaket unter dem Arm. Erst jetzt merkte ich, dass das Plätschern nicht von vorn, sondern von rechts neben mir kam. Zugleich spürte ich, dass meine Hand, die den Korb mit dem Kater umfasst hielt, nass wurde. Erschrocken begriff ich, was da gerade abging, und umfasste nun auch mit der zweiten Hand den Korb, um ihn möglichst weit von mir abhalten zu können. Mein plüschiges Paket war gerade am Auslaufen. Es plätscherte und plätscherte und wollte kein Ende nehmen. Peinlich berührt schaute ich zum Hundemenschen. Der grinste nur weiter frech und hatte wahrscheinlich später eine lustige Begebenheit zu erzählen.

Letztendlich war ich aber froh, dass die ganze Sache nicht im tierärztlichen Wartezimmer und vielleicht noch auf meinem Schoß stattgefunden hatte. Da hätten auch Tierarzt und sein Helferteam am Abend noch einen Schwank aus ihrem Berufsalltag erzählen können. Doch wer weiß, vielleicht war ja auch schon mein Katzentransportbehältnis an sich einen Lacher später am Abendbrotstisch wert.

Als ich mein getigertes Mitbringsel zur tierärztlichen Begutachtung aus dem Korb nehmen sollte, fragte ich den Tierarzt, ob er den Kater auch wieder einfangen würde, sollte der einfach aus dem Korb springen und panisch durch die Praxis sausen. Der Kater wäre nämlich mehr ein Halbwilder, mit dem ich bisher noch bei keinem Tierarzt gewesen wäre. Da aber ein Abszess behandelt werden müsste, sah ich keine andere Möglichkeit, als den Kater zu seinem Glück zu zwingen. Ich wüsste nun aber nicht, wie er in dieser für ihn völlig fremden Umgebung reagieren würde, wenn wir ihn aus dem Korb nehmen würden. Vielleicht hätte ich selbst ja auch durch diese Zwangsmaßnahme das Vertrauen des Katers verspielt. Es wäre also fraglich, ob ich mit dem Einfangen mehr Glück haben würde.

Der Tierarzt schaute mich einigermaßen verunsichert an und entschied dann, den Kater samt Netz im Korb zu belassen. Durch die Maschen des Netzes über dem Korb konnte er durchaus den Abszess, den sich der Kater am Schwanzansatz zugezogen hatte, ausreichend begutachten und entsprechend behandeln. Im Korb konnte der Kater sich nämlich beim besten Willen nur schwer umdrehen, geschweige denn im Falle der Fälle zubeißen.

Der Doc öffnete den Abszess mit einem kleinen Schnitt, während der Kater stur und starr verharrte, säuberte die Wunde und spritzte dem armen Plüschlöwen noch ein Antibiotikum. Wiederkommen bräuchten wir nur, so der Doc, sollte die Behandlung nicht erfolgreich gewesen sein. Ich bekam noch eine Salbe, die ich noch ein paar Tage auf die Wunde streichen sollte, und schon waren wir entlassen.

Wieder daheim sprang der Kater, als das Netz vom Korb entfernt war, mit einem Riesensatz aus seinem Zwangsbehältnis. Natürlich wollte er sofort raus und weit weg von mir. Ich fragte mich in diesem Moment, ob er wohl jemals wiederkommen würde? Doch er kam und ließ sich sogar von mir mit der Salbe verarzten. Nur, wenn er in Zukunft den Korb sah, machte er, dass er fortkam. Also mussten wir später in ähnlichen Situationen immer zuerst den Kater packen. Erst danach konnten wir den Korb hervorzaubern. Zum Glück waren solche Aktionen nicht allzu oft notwendig. Aber einige Male eben doch. Mir stand jedes Mal schon vorher der Angstschweiß auf der Stirn.

Doch Schnups, wie wir Hannibal später nur noch nannten, hatte trotz solcher Aktionen immer noch genug Vertrauen zu mir. Er kam immer wieder zurück – bis auf einen Tag, den 12. November 1989 … Und was an jenem Tag damals geschah, das kann man in meinem Buch nachlesen.

Vom Regen in die Traufe? (Mohrle – Teil 2)

<Teil 2 von „Auch bei mir kam ein Kätzchen aus dem Regen“>

Das Abenteuer meines kleinen Findelkätzchens aus dem Beitrag zuvor endete glücklicherweise nicht in der Traufe, dafür aber zunächst in unserem Keller.

Mein Vater war nicht gerade begeistert von meinem tierischen Mitbringsel. Dank der Fürsprache meiner Mutter durfte der pelzige Winzling aber erst einmal bleiben – im Keller versteht sich. Ich erhielt zwar die Auflage, das Kätzchen wieder irgendwo unterzubringen, wenn es entsprechend aufgepäppelt wäre, aber darüber wollte ich vorerst nicht nachdenken. Natürlich versprach ich dem Kätzchen zuliebe alles, was mein Vater hören wollte. Bestimmt würde später eine Lösung vom Himmel fallen, so meine Hoffnung.

Zunächst aber war ich froh und glücklich, hatte ich doch endlich ein eigenes Kätzchen. Und ich kümmerte mich mit Begeisterung und Hingabe um das kleine Fellbündel. Einen Namen hatte ich auch schon gefunden. Da es zumindest oben herum schwarz bepelzt war, sollte mein Kätzchen Mohrle heißen. Dass es mir sicher sehr schwerfallen würde, ein Kätzchen, dem ich bereits einen Namen gegeben hatte, vielleicht wieder abgeben zu müssen, darüber zerbrach ich mir gar nicht erst den Kopf. Ich hoffte ja schließlich noch auf ein Wunder – z.B. auf die Bekehrung meines Vaters. Wenn er mein Kätzchen erst einmal sehen würde, wäre er bestimmt auf der Stelle genauso verliebt in das kleine Wuschelwesen wie ich.

Ab sofort war ich natürlich mehr in unserem Keller zu finden als in unserer Wohnung, schließlich musste ich mich um das Katzenbaby kümmern. Es brauchte ja in regelmäßigen Abständen sein Fläschchen. Und ich kümmerte mich mit Hingabe um mein Pflegekind, so gut, dass es schnell immer kräftiger und natürlich auch immer unternehmungslustiger wurde. Bald hatte es auch begriffen, wie es Milch von einem Teller schlabbern konnte. Ich war richtig stolz auf die Fortschritte, die mein Katzenkind gemacht hatte. Sogar das Katzenklo, das ich ihm hingestellt hatte, benutzte es ordnungsgemäß. Als Behelfstoilette musste eine alte große Bratpfanne herhalten, die ich mit Sand befüllt hatte.

Die Kartoffelkiste, in der ich Mohrle zunächst untergebracht hatte, konnte mein Pflegekätzchen inzwischen mühelos verlassen. Immer öfter kletterte es überall im Keller umher. Eines Tages hatte es sich sogar in den Nachbarkeller verirrt. Wie war es nur dahin gekommen? Es konnte doch gar nicht durch den schmalen Spalt zwischen den einzelnen Holzlatten hindurchgepasst haben. Doch bald löste sich das Rätsel. Die Latten, die unseren Keller von den Nachbarkellern trennten, reichten nicht ganz bis an die Decke. Mein Kätzchen musste wohl bis ganz nach oben zur Decke geklettert sein und von dort hinüber in den Keller nach nebenan. Nun war plötzlich guter Rat teuer. Wenn das öfter passieren würde, gäbe es sicher bald Ärger mit den Nachbarn.

Ich wusste mir keinen anderen Rat, als Mohrle mit hinauf in unsere Wohnung zu nehmen. Ob mein Vater etwas dagegen haben würde, wenn ich mein Pflegekind in unserem Bad unterbringen würde? Fragen konnte ich ihn gerade nicht, weil er noch nicht von der Arbeit zurück war. Wenigstens sah meine Mutter ein, dass die Kellerlösung nun wohl keine mehr war. Auch sie befürchtete Probleme mit den Nachbarn. Ich sollte das Kloschüsselchen noch hochholen, dann würden wir weitersehen.

Wie meine Mutter meinen Vater schließlich davon überzeugt hatte, dass Mohrle bleiben durfte, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich die strenge Auflage erhielt, das Katzenklo immer sorgfältig zu reinigen, und Kratzspuren an den Möbeln wollte mein Vater auch nicht sehen. Einmal ein Geschäftchen in die Ecke gemacht oder an Möbeln gekratzt und schon hätte mein Kätzchen sein Aufenthaltsrecht verwirkt.

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Ich ließ es natürlich weder zu dem einen, noch zu dem anderen kommen, schließlich wollte ich mein Kätzchen behalten. War einmal keiner zuhause, musste Mohrle im Bad bleiben. Dort konnte er am wenigsten Schaden anrichten. Ja, ER! Inzwischen hatten wir nämlich festgestellt, dass unser neuer Mitbewohner ein kleiner Kater war.

Ich war selig, Mohrle durfte bleiben. Ich müsste nur gut genug auf ihn aufpassen. Endlich war doch noch ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Ich hatte ein eigenes Kätzchen. Dass ich es mir in gewisser Weise erzwungen hatte, das steht auf einem anderen Blatt. Ich war meinem Vater mehr als dankbar, dass er letztendlich doch erlaubt hatte, dass Mohrle bleiben durfte. Ob er nun Mitleid mit dem kleinen Kater hatte oder mich einfach nicht enttäuschen wollte, sei dahingestellt. Ich habe nie nach seinen Beweggründen gefragt.

Wie sich noch oft herausstellen sollte, war dieser Kater nicht ganz so problemlos, wie zumindest ich es gedacht hatte. Wir haben noch jede Menge Aufregendes mit ihm erlebt. Erstaunlicherweise durfte er trotz allem bleiben. Aber dazu vielleicht irgendwann später einmal mehr.

In meinem Buch Pfote aufs Herz habe ich auf Seite 29 nur ganz kurz angerissen, wie gern ich als Kind ein eigenes Kätzchen haben wollte, mein Vater aber etwas dagegen hatte. Diese Geschichte erzählt nun, wie ich letztendlich doch noch zu meinem Kätzchen kam.

Auch bei mir kam ein Kätzchen aus dem Regen (Mohrle – Teil 1)

Das passiert wohl nicht nur Menschen wie Deric Longden. Es kommt scheinbar öfter vor, dass sich Menschen und Katzen im Regen finden.

Wie sehr hatte ich mir als Kind ein eigenes Kätzchen gewünscht. Doch mein Vater wollte von diesem Wunsch einfach nichts hören. Meine Mutter dagegen hätte ich sicher nicht lange überreden müssen. Sie hätte mir diesen Wunsch wohl durchaus erfüllt. Aber mein Paps war der Meinung, dass Katzen auf den Bauernhof gehören und nicht in sein heiliges schönes Wohnzimmer.

Gut, ich hatte meine Kätzchen jeden Sommer auf andere Weise. Kaum hatten die Sommerferien begonnen, drängte es mich unwiderstehlich zu meinen Großeltern. Auf ihrem Bauernhof gab es nämlich immer Kätzchen, wenn auch jeden Sommer wieder neue. Die vom Vorjahr hatten sich in der Regel, wenn ich wieder Ferien bei meinen Großeltern machte, ein neues kleines Revier irgendwo bei einem anderen Bauern in dem kleinen Dorf, in dem meine Großeltern ihren Hof hatten, suchen müssen. Dafür mussten gar nicht mal meine Großeltern sorgen, das erklärte schon die Katzenmutter beizeiten ihrem Nachwuchs. Irgendwie störte es mich auch gar nicht, dass es immer wieder andere Katzenkinder waren, die ich durch die Gegend schleppen konnte. Die Hauptsache für mich war, ich hatte Katzen zu betutteln. Wobei es auch allerlei anderes Getier gab, um das ich mich während der Ferien ein wenig kümmern durfte. Ziegen und Schafe konnten gefüttert werden, der Hofhund und Hühner sowieso. Bei den Hühnern übte ich mich sogar in der Hühnerdressur. Am Ende der Ferien konnten sie allerlei Kunststückchen. Aber Katzen waren und blieben immer das Wichtigste für mich. Und wie gern hätte ich selbst ein Kätzchen gehabt.
Ich hab‘ sogar noch einige Bilder gefunden – ich inmitten von Hühnern und Katzen 🤭 auf dem Bauernhof meiner Großeltern mütterlicherseits.

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Es hätte so einfach sein können, am Ende des Sommers eines der Kätzchen mit nach Hause zu nehmen. Meine Großeltern hätten nichts dagegen gehabt. Aber da führte kein Weg hinein. Mein Vater blieb hart und unerbittlich. Andererseits wäre es vielleicht doch nicht ein ganz so einfaches Unterfangen gewesen, ein Kätzchen vom Bauernhof meiner Großeltern mitzunehmen. Zwischen unserem Zuhause und dem meiner Großeltern lagen etwa fünf Stunden Bahnfahrt mit mehrmaligem Umsteigen zwischendurch. Und ein Kätzchen heimlich mitzunehmen, darauf bin ich einerseits gar nicht erst gekommen. Wie auch? Wo hätte ich es die lange Fahrt über verstecken sollen? Andererseits hätte ich mich auch nicht getraut, verbotenerweise ein Kätzchen heimlich daheim einzuschleusen. Zunächst jedenfalls nicht …

Aber manchmal kommt es eben anders, als man denkt. Ich kam gerade von einer Freundin zurück. Wir hatten uns bei ihr zum Spielen getroffen. Langsam wurde es aber für mich Zeit, nach Hause zu gehen. Ich hatte es immer wieder hinausgezögert, es regnete nämlich in Strömen. Doch langsam musste ich los, sonst würden sich meine Eltern Sorgen machen. Ich muss acht oder neun Jahre alt gewesen sein. Auch damals sorgten sich Eltern, wenn das Kind nicht pünktlich nach Hause kam. Ein bisschen widerwillig machte ich mich also auf und lief durch den strömenden Regen. Unterwegs kam ich an einem Bauerngehöft vorbei. In dessen Nähe gab es einen kleinen Teich, um den herum einige Kleintierzüchter Hühnerställe und kleinere Gehege gebaut hatten. Wir Kinder spielten gern dort und auch in einigen der angrenzenden verwilderten Gärten. Und genau da waren wir schon oft auf Katzen getroffen. So wunderte es mich zunächst gar nicht, als ich ein Maunzen vernahm. Bestimmt jammerte eine Katze über das scheußliche Wetter. Ich hätte mich ihrem Gesang glatt anschließen können. Mir gefiel es auch nicht, dass ich durch den Regen rennen musste.

Doch dann jammerte es immer kläglicher und mehr mit so einem hellen Stimmchen wie ein Katzenkind, weniger wie eine erwachsene Katze. Trotz meines eher noch zarten Alters kannte ich Katzenstimmen mehr als gut. Auf dem Bauernhof geschult wusste ich sehr wohl, die verschiedenen Katzenstimmen und die sich darin abzeichnenden Stimmungen zu deuten. Was ich gerade hörte, musste ein sehr kleines Kätzchen sein, das ganz angstvoll maunzte. Trotz des Regens und der fortgeschrittenen Zeit lauschte ich dem Stimmchen und versuchte zu orten, wo das Maunzen herkam. Vielleicht brauchte ein Katzenbaby Hilfe. Es dauerte auch nicht lange, und ich hatte herausgefunden, woher die klagenden Laute kamen. Ein winziges nasses Katzenbündel kam, als es mich sah, mehr auf mich zugekrochen, als dass es laufen konnte. Klatschnass war es, maunzte sogar noch kläglicher, als es mich entdeckte. Es erhoffte sich wohl Hilfe von mir. Wenig später hockte ich vor einem patschnassen, zitternden schwarzweißen Fellbündel. Vorsichtig hob ich es hoch. Kaum auf meinem Schoß, versuchte es, unter meine Jacke zu kriechen. Ihm musste sehr kalt sein, ihm fehlten eindeutig die Wärme und der Schutz der Mutti. Was sollte ich jetzt bloß mit diesem Häufchen Elend tun? Ob ich die Katzenmutti finden konnte? Mit dem Kätzchen unter der Jacke machte ich mich auf die Suche. Doch bei den Hühnergehegen konnte ich weit und breit weder eine Katzenmutti noch eine Menschenseele entdecken. Ob das Katzenkind zu dem Bauernhof gehörte? Unsicher machte ich mich auf den Weg zum Bauerhaus und pochte dort schüchtern an die Tür. Eine Weile tat sich nichts. Ratlos, was ich nun mit dem Kätzchen tun sollte, wollte ich schon wieder gehen, als plötzlich der Bauer aus einem der Ställe kam. Etwas brummig fragte er, was ich hier wollte. Ich holte das nasse Pelzbündel unter meiner Jacke hervor und fragte, ob das Katzenbaby zu ihm gehören würde. Doch er behauptete, dass es auf seinem Hof gerade keine Katzen geben würde. Ich solle mal bei den Hühnerleuten nachfragen. Aber vielleicht gehöre das Kätzchen auch zu einer von den verwilderten Katzen, die sich manchmal bei den Hühnerställen rumtreiben würden. Wenn es zu niemandem gehören würde, sollte ich es wieder dort hinbringen, wo ich es gefunden hätte. Die Katzenmutter würde es bestimmt irgendwann finden und mitnehmen. Und wenn nicht, dann wäre es eben so. Es gäbe eh genug Katzen.

Also trottete ich mit meiner kleinen nassen „Ratte“ wieder zurück zum Fundort und hoffte darauf, dass sich irgendwann die Katzenmutter zeigen würde. Ich setzte das kleine Bündel sogar unter einen Strauch in der Nähe des Fundortes und entfernte mich ein Stück. Doch das Kätzchen blieb nicht sitzen, wo ich es abgesetzt hatte. Maunzend kroch es hinter mir her. Nachdem wir die Prozedur mehrmals wiederholt hatten, wir beide auch immer nasser geworden waren, fasste ich einen Entschluss. Ich hob das nasse und wieder zitternde Bündel hoch, schob es unter meine Jacke und machte mich auf den Heimweg.

Zuhause schlich ich mich leise in die Wohnung, nahm den Kellerschlüssel an mich und ging anschließend hinunter in unseren Keller. Die einzelnen Keller unseres Mehrfamilienhauses waren durch Holzlattenverbauten voneinander abgetrennt. Die Lücken zwischen den Latten waren so schmal, dass das Katzenkind beim besten Willen nicht hindurchpassen würde und zum Nachbarn wechseln könnte. Eine alte Kartoffelkiste samt Kartoffelsäcken leistete zunächst gute Dienste als Unterkunft für das Kätzchen. Aber nun musste ich erst einmal beichten gehen.

Mein Vater war zum Glück noch nicht zuhause. Meine Mutter schaute mich zweifelnd an, ob das eine gute Idee gewesen war, das Kätzchen mit nach Hause zu nehmen. Dann gab sie mir einen Teller und etwas Milch für unseren neuen Kellerbewohner und meinte, sie würde meinem Vater das nachher irgendwie beibringen, dass in unserem Keller vorübergehend ein Katzenkind wohnen würde. Wenn es alt genug wäre, müsste ich es sicher wieder fortbringen.

Den letzten Teil des Satzes hörte ich eigentlich gar nicht mehr so richtig. Ich eilte wieder hinunter zum Katzenkind. Doch die Milch, die ich auf den Teller geschüttet hatte, wollte das kleine Flauschbündel nicht, selbst als ich sein Mäulchen hineinstupste, schien es damit nichts anfangen zu können. Es schlapperte zwar die Milch vom Mäulchen ab, aber es trank nicht selbstständig vom Teller. Wahrscheinlich war es wohl noch von der Muttermilch abhängig gewesen. Etwas ratlos schaute ich nun auf das inzwischen wieder klagende Bündel. Wenigstens hatte ich es derweil mit einem alten Handtuch, das meine Mutter mir in die Hand gedrückt hatte, etwas trocken gerubbelt. Es zitterte also nicht mehr vor Kälte, höchstens vor Hunger. Was sollte ich bloß tun, wenn es nicht allein trinken wollte oder konnte?

Meine Mutter wusste Rat. Ich liebte damals diese kleinen Fläschchen mit Liebesperlen darin. Ich weiß gar nicht, ob es heute immer noch so etwas gibt. Ein Fläschchen davon, das ich zum Mutter-und-Kind-Spielen für meine Puppen und Teddys aufgehoben hatte, könnte ich doch mit etwas verdünnter Milch füllen, ein kleines Loch in den Sauger stechen und schon hätten wir ein Babyfläschchen für das Kätzchen. Und siehe da, es klappte. Kaum hatte ich dem winzigen Katzenkind den Sauger ins Mäulchen geschoben, saugte es gierig die Milch in sich hinein. Die erste Hürde schien genommen …

Fortsetzung: siehe „Vom Regen in die Traufe?